Ihre Bewerbung ist gut angekommen und die Einladung zum Vorstellungsgespräch liegt auf dem Tisch? Glückwunsch - Sie haben den Pflichtteil erledigt, die Kür kann beginnen! Jetzt zählen nicht mehr nur Ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Erfolge. Jetzt müssen Sie Ihre Persönlichkeit in die Waagschale werfen, um Ihre Kompatibilität mit dem Unternehmen, bei dem Sie sich beworben haben, möglichst plausibel zu belegen.

In vielen Fällen hilft es, wenn Sie das anstehende Vorstellungsgespräch nicht als Bewerbungsgespräch verstehen, sondern den Aspekt des beiderseitigen Kennenlernens in den Mittelpunkt stellen. Bei Ihrem ersten Termin mit dem (vielleicht) künftigen Arbeitgeber geht es primär darum, Ihr Gegenüber davon zu überzeugen, dass Sie die richtige Mischung aus Fähigkeiten und Persönlichkeit mitbringen.

Die Vorbereitung zählt

Im Studium, in der Ausbildung und/oder bei Ihren ersten beruflichen Schritten haben Sie sicher die Erfahrung gemacht, dass eine effiziente und zielorientierte Vorbereitung anstehende Präsentationen oder die Ausarbeitung komplexer Inhalte vereinfacht. Wenn Sie sich das Vorstellungsgespräch als eigenständiges Projekt vorstellen, dessen Abschluss Sie zum nächsten Milestone – Ihrem nächsten Karriereschritt – führt, wird deutlich, dass auch in diesem Fall eine gute Vorbereitung die Erfolgsaussichten positiv beeinflusst.

Hilfen für das erfolgreiche Vorstellungsgespräch

Falls Sie sich vor dem Vorstellungsgespräch unsicher fühlen, können Sie ergänzend auf verschiedene professionelle Unterstützungen zurückgreifen. Das Spektrum möglicher Hilfen ist vielfältig:

  • Ratgeberliteratur: Für konkrete Zielgruppen oder Branchen, aber auch für einzelne Bereiche des Vorstellungsgespräches stehen ausführliche und zum Teil wissenschaftlich aufbereitete Bücher zur Verfügung. Aber: Ihre Kompetenzen und Persönlichkeit wiegen mindestens ebenso schwer und außerdem kennen HR-Manager die Literatur ebenfalls und entlarven die Anwendung von "Tricks".
  • Interessen- und Branchenportale: Onlineressourcen vermitteln allgemeingültige Informationen für spezifische Qualifikationen und Gepflogenheiten, die für Ihre Zielbranche typisch sind.
  • Karrierecoaching: Professionelle Coachings sind oft eine gute Investition in die Planung intelligenter Karriereschritte, in die bei Bedarf Interviewübungen integriert werden können.
  • Assessment-Trainings: Berufseinsteiger/-innen finden in den von großen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Personalberatungen angebotenen Kursen und Seminaren viele praktische Tipps und Feedback auch für das obligatorische Vorstellungsgespräch
  • Rollenspiele: Praktische Übung eines Vorstellungsgespräches sind eine sinnvolle Option, sich Feedback zu holen und sind zudem informell im Freundeskreis oder mit Kommilitoninnen und Kommilitonen möglich.

Wissensstand über das Unternehmen oder die Organisation

"Sei dir bewusst, was du weißt. Was du hingegen nicht weißt, das gib zu." (Konfuzius)

Wahrscheinlich haben Sie die wichtigsten Daten zum Unternehmen, also

  • Branche,
  • Produkte und Dienstleistungen,
  • Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahl,
  • Unternehmenssitze und
  • Umsatzzahlen
bereits anlässlich der Zusammenstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen recherchiert. Sobald das Vorstellungsgespräch näher rückt, geht es deswegen darum, dass Sie Ihren Informationsstand vertiefen.

Ein wichtiger Faktor, der entscheidend für den Erfolg Ihres Vorstellungsgesprächs sein kann, sind die Bereiche Unternehmenskultur und Werte. In Ihrer Vorbereitung sollten Sie diesen Bereich besonders sorgfältig mit den eigenen Prioritäten abgleichen.

Als mögliche Quellen für Ihre Informationssammlung über das Unternehmen dienen vor allem die Veröffentlichungen des Unternehmens wie

  • Webseiten,
  • Unternehmensberichte,
  • Jahresbilanzen oder
  • Imagebroschüren.

Darüber hinaus sind auch

  • Artikel und Nachrichten über das Unternehmen in der Presse,
  • Fachartikel von Unternehmensvertretern in Journalen,
  • soziale Medien oder
  • Gespräche mit Bekannten, die bereits im Unternehmen angestellt sind,
potentielle Quellen, die Ihnen helfen, für das Vorstellungsgespräch einen guten Wissensstand aufzubauen, den Sie selbstverständlich einfließen lassen sollten.

Persönliche Vorbereitung auf das wichtige Gespräch

Neben dem Aufbau von Faktenwissen ist auch eine Selbstreflexion eine gute Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch. Je nach Persönlichkeit und individuellem Stressmanagement können

  • bewusste Entspannung,
  • erlernbare Techniken zur Stressreduktion oder
  • spielerisches Üben von Situationen im anstehenden Gespräch
sinnvolle Bausteine der persönlichen Vorbereitung auf ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch sein.

Grundsätzlich gehört zu einer guten Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch die Fokussierung bestimmter Abschnitte Ihrer Selbstpräsentation. Dazu gehört es, dass Sie

  • Schwächen und Lücken im Lebenslauf positiv und plausibel darstellen,
  • Stärken und besondere Fähigkeiten deutlich hervorheben,
  • Erfahrungen und Qualifikationen für die angestrebte Position betonen,
  • präzise Ihre Persönlichkeit vorstellen und
  • gefragte Soft Skills (Teamintegration, Führungskompetenzen oder kreative Problemlösung) argumentativ in den Vordergrund stellen.

Zeitpläne und gute Organisation

Zu einer umfassenden Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch gehört die Abstimmung des Gesprächstermins. Grundsätzlich sollte es bei einem fairen Interesse an Ihrer Arbeitskraft möglich sein, dass Sie das Vorstellungsgespräch so legen, dass es nicht mit Ihren sonstigen Verpflichtungen kollidiert.

Bevor Sie abgehetzt zur Vorstellung im neuen Unternehmen eintreffen oder unruhig werden, weil die Unterhaltung mit dem Personalverantwortlichen länger als geplant dauert, sollten Sie den mit der Gesprächseinladung übersandten Terminvorschlag besser verschieben. Dabei ist es ein Zeichen des gegenseitigen Respekts, wenn Sie auf Nachfrage die Gründe einer Terminverschiebung plausibel darlegen.

Ebenfalls zur Stressvermeidung ist es sinnvoll, den Tag des Vorstellungsgesprächs vorab so zu strukturieren, dass er möglichst reibungslos verläuft:

  • Anfahrt planen und gegebenfalls Tickets besorgen,
  • Zeitpuffer über den Tag verteilt einplanen (Stressvermeidung) und
  • notwendige Unterlagen (Zeugnisse, Arbeitsproben, Bescheinigungen) einstecken.

Immer wieder eine Quelle für Missverständisse Sprache und Körpersprache

"Man kann nicht nicht kommunizieren." (Paul Watzlawik)

Das wohl bekannteste Zitat zum Thema Kommunikation verdeutlicht, dass Interaktion grundsätzlich auf mehreren Ebenen stattfindet. Besonders im Vorstellungsgespräch geht es um

  • Authentizität,
  • Persönlichkeit und
  • Außenwirkung.

Auf den Punkt gebracht, stehen im Vorstellungsgespräch nicht zuletzt Ihre Soft Skills auf dem Prüfstand. Personalverantwortliche achten dabei auf die komplexen Ausdrucksformen wie

  • Benehmen (Höflichkeit und Sicherheit im Umgang mit Regeln),
  • Auftreten (Gestik, Mimik und Haltung) sowie
  • Selbstinszenierung (Kleidung, Haut- und Haarpflegezustand).

Tonfall und Höflichkeit

Ein pünktliches Eintreffen zum Vorstellungsgespräch ist ein erster Beweis für Respekt und die sichere Beherrschung allgemeingültiger Höflichkeitsregeln. Weitere Möglichkeiten, sich als selbstsicher und vertraut mit üblichen Umgangsformen zu beweisen, haben Sie auch in allen weiteren Phasen des Vorstellungstermins.

Wenn Sie

  • ein angebotenes Getränk dankend annehmen,
  • den Smalltalk beim Gesprächseinstieg zur Profilierung nutzen,
  • eine klare und deutliche Ausdrucksweise an den Tag legen,
  • eine angemessene Wortwahl (weder zu viele Fremd- und Fachwörter noch flapsige Formulierungen) treffen,
  • Selbstsicherheit ohne Arroganz ausstrahlen und
  • einen wohltemperierten Humor beweisen, sofern sich die Gelegenheit anbietet,
signalisieren Sie fachliche und persönliche Sicherheit.

Körpersprache

Mit Ihrer Körpersprache senden Sie im Vorstellungsgespräch vom ersten Eindruck bis zur Verabschiedung eine Reihe bewusster und unbewusster Signale. In ihrer Gesamtheit sollten diese non-verbalen Informationen möglichst konsistent sein mit den Inhalten, die Sie verbal vermitteln.

Beachtenswerte Aspekte Ihrer Körpersprache im Kurzüberblick:

  • Gestik: Eine Untermalungen Ihrer Ausführungen mit wohldosierten Gesten kann Ihre kompetente Ausstrahlung unterstreichen.
  • Mimik: Freundlichkeit, Offenheit und Konzentration gehören zu den wichtigen Eigenschaften, die Ihnen auch im Vorstellungsgespräch "ins Gesicht geschrieben" stehen (sollten) und Personalverantwortliche überzeugen.
  • Spiegeln des Gegenüber: Dieser oft gegebene Tipp sollte auf natürliche Art und ohne Übertreibungen eingesetzt werden, um nicht als Persiflage zu wirken.
  • Körperspannung: Eine gute Haltung strahlt Selbstsicherheit aus und zeigt, dass Sie das Vorstellungsgespräch professionell angehen.

Dresscode wahren

Verschiedene Branchen haben verschieden Dresscodes, die ihrerseits zum Teil noch einmal von Unternehmen zu Unternehmen variieren. Im Vorstellungsgespräch ist es wichtig, sich dem typischen Kleidungsstil anzupassen, ohne verkleidet oder künstlich zu wirken.

Auch bei relativ freier Kleidungswahl kann der individuelle Kleidungsstil zur Entscheidungsfindung der Personalverantwortlichen für oder gegen eine Anstellung beitragen. Einige zum Teil selbstverständliche Regeln sollten Sie bei jedem Vorstellungsgespräch einhalten:

  • saubere und knitterfreie Kleidung,
  • nicht zu viel Haut zeigen (für Frauen),
  • keine knallbunten oder kindischen Accessoires (auch für Männer),
  • dezente Parfümierung (gilt übrigens auch für den Gebrauch von Wäscheparfüm und Weichspüler),
  • gepflegte Hände, Haare und Gesicht sowie
  • zurückhaltendes Make-up.

Bloß kein Stress! Potentielle Tricks der Personalverantwortlichen

Es gibt keine einheitlichen Regeln für das typische Vorstellungsgespräch. Der Ablauf sowie die Zahl und Stellung der potentiellen Unternehmensvertreter, mit denen Sie es zu tun bekommen, ist abhängig von

  • der Unternehmensgröße,
  • der Unternehmenskultur und
  • der ausgeschriebenen Position.

Entsprechend der Menge an Optionen sind verschiedene Gesprächsschwerpunkte, aber auch unterschiedliche Varianten zur Erzeugung von Stresssituationen möglich. Diese sind darauf ausgerichtet, Ihre fachlichen, persönlichen und intellektuellen Fähigkeiten zu testen.

Einige Beispiele:

  • Rollenspiel im Interview: Direkte Vorgesetzte, HR-Manager oder Unternehmensführung können im Vorstellungsgespräch mit unterschiedlichen Interessen und Rollen auftreten, die auch genutzt werden können, um Bewerber/-innen gezielt zu prüfen.
  • Brainteaser: Bei unvorhersehbaren Fragen zu (scheinbar) willkürlichen Themen geht es nicht vorrangig um "richtige" Lösungen, vielmehr eignen sich sogenannte Brainteaser dazu, Soft Skills wie Stressresistenz und Reaktionsvermögen zu eruieren. Wenn Sie dann zusätzlich noch die Frage richtig beantworten können: optimal!
  • Stressfragen: Unangenehme Fragen werden im Vorstellungsgespräch eingesetzt, um Ihre Reaktionsfähigkeit in Stresssituationen zu testen, aber auch um Ihr individuelles Entwicklungspotential zu erkennen.
  • Fangfragen: Bereits im einleitenden Smalltalk können Sie mit Fragen konfrontiert werden, deren Tragweite sich auf den zweiten Blick erschließt; hier sind Schlagfertigkeit, Diplomatie und Selbstbewusstsein gefragt, um sich nicht gleich selbst ins Abseits zu manövrieren.

Gesprächspausen dagegen sind nicht unbedingt ein Test, den Sie bestehen sollen, sondern sie entstehen wie in jedem anderen (zwanglosen) Gespräch und dienen der Verarbeitung von Informationen. Auch Sie sollten sich dieses Recht einräumen und im Zweifelsfall lieber einen Moment nachdenken, wenn Sie glauben, auf eine Frage noch keine gute Antwort zu haben.

Gute Frage - nächste Frage?! Fragen im Vorstellungsgespräch

Einige Fragenkategorien sind fester Bestandteil der meisten Vorstellungsgespräche. Bereits in der ersten Gesprächsphase, in der im Regelfall zur Begrüßung ein wenig Smalltalk und eine kurze Unternehmenspräsentation stattfinden, können Sie mit Aufmerksamkeit und Authentizität punkten.

Legale Fragen

Viele Fragen im Vorstellungsgespräch sind vor allem darauf ausgerichtet, Ihnen eine Chance zu geben, sich individuell zu profilieren. Dabei stehen sieben Bereiche im Vordergrund:

  1. Fragen zu fachlichen Kompetenzen: Mit diesem Fragenkomplex können Sie sich als Spezialist/-in für die fraglichen Arbeitsbereiche profilieren oder zu erkennen geben, dass Sie lernbereit sind.
  2. Fragen zu Erfolgen in Beruf und Studium: Außer der fachlichen Information dienen solche Fragen dem Ziel, Ihre zentralen sozialen Kompetenzen (ausgedrückt in der Art Ihrer Darstellung) herauszufinden.
  3. Fragen zur persönlichen Motivation: Die Motivation gibt dem Unternehmen die Chance zu erkennen, welches Engagement Sie für die ausgeschriebene Position aufbringen.
  4. Fragen zu Soft Skills: Organisationsvermögen, Führungsqualitäten, Kreativität und andere Soft Skills sind in zahlreichen Positionen unabdingbar und müssen entsprechend im Vorstellungsgespräch erkennbar werden.
  5. Fragen zu individuellen Stärken: Für Unternehmen ist es wichtig, in Projekten Mitarbeiter/-innen so einzusetzen, dass einander ergänzende Fähigkeiten und Erfahrungen kooperieren; Ihre Stärken werden nach möglichen Integrationsoptionen bewertet.
  6. Fragen zu möglichen Schwächen: Erfahrene HR-Manager analysieren Ihre Bewerbung auf Schwachstellen, zu denen Sie aber stehen können und sollen; ein rationaler Umgang mit Fehlern beweist letztendlich Entwicklungspotential.
  7. Fragen zur persönlichen Wertestruktur: Bewerber/-innen müssen fachlich und charakterlich zum Unternehmen passen und dieser Fragenkomplex erspart beiden Seiten eine mitunter folgenreiche Fehlentscheidung.

Unzulässige Frage

Jede Personalentscheidung hat für eine Organisation (oder ein Unternehmen) finanzielle Folgen und entsprechend wichtig ist es für das Personalmanagement, "Fehlinvestitionen" zu vermeiden. Dennoch sind Fragen zu Themen, die eine Grenze zum Privatleben der Bewerber/-innen deutlich überschreiten, unzulässig.

Gelegentlich trennt ein schmaler Grat unzulässige Fragen nach dem Privatleben von zulässigen Fangfragen, die sich auf Werte und Prioritäten beziehen. Auch aus diesem Grund ist es ratsam, grenzüberschreitende Fragen grundsätzlich höflich zu beantworten und sie mit einer erklärenden Bemerkung abzuweisen.

Für Ausnahmefälle bei unzulässigen Fragen sind rechtlich enge Grenzen gesteckt; beispielsweise bei Tätigkeiten in sensiblen Bereichen kann der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse geltend machen, zuverlässiges Personal mit unbedenklichem Gesundheitszustand einzustellen. Wenn eine Frage nach Gesundheit, Privatleben, Meinungen oder Lebensplanung keinerlei Bezug zur ausgeschriebenen Stelle hat, darf sie jedoch mit einer Lüge beantwortet werden.

Eigene Fragen

Der Moment, in dem es im Vorstellungsgespräch zu Ihren Fragen kommt, ist eine der wichtigsten Chancen zur Betonung Ihrer Motivation und Profilierung Ihrer persönlichen Eignung für die Position, für die Sie sich beworben haben.

Potentiell entscheidende Pluspunkte lassen sich im Vorstellungsgespräch mit intelligenten Nachfragen und Fragen zu Besonderheiten der ausgeschriebenen Position sammeln. Das können zum Beispiel sein Fragen nach

  • sozialen Projekten des Unternehmens,
  • Arbeitsabläufen,
  • Kommunikations- und Unternehmenskultur,
  • Weiterbildungsoptionen oder
  • Flexibilität der Arbeitsgestaltung.

Fragen zum Gehalt und zur möglichen Gehaltsentwicklung werden im Vorstellungsgespräch nicht immer gern gesehen, es sei denn, Ihr Gesprächspartner kommt auf die monetären Aspekte zu sprechen. Für diesen Fall sollten Sie sich im Vorfeld eine gute Begründung Ihrer Gehaltsvorstellungen zurechtgelegt haben.

Es geht auch anders! Alternativen zum klassischen Vorstellungsgespräch

In Zeiten von Green Recruiting und maximaler Flexibilität haben sich viele Unternehmen Alternativen zum klassischen Vorstellungsgespräch erschlossen. Neben dem betriebswirtschaftlichen Faktor Kostenersparnis stehen bei einigen der ergänzenden Rekrutierungsverfahren die individuellen Verhaltensformen der Bewerber/-innen im Mittelpunkt.

Telefoninterview

Telefoninterviews sind in manchen Unternehmen inzwischen üblich, um bei einer großen Bewerberzahl die Vorauswahl geeigneter Jobaspiranten kostengünstig zu gestalten. Für Bewerber/-innen hat diese Variante eines "kleinen Vorstellungsgespräches" den Vorteil, die Sicherheit der vertrauten Umgebung für sich nutzen zu können.

Sofern sich das Telefoninterview nicht spontan durch eine Rückfrage beim Unternehmen ergibt, sollten Sie sich ebenso gründlich vorbereiten wie auf das Gespräch vor Ort. Sämtliche Bewerbungsunterlagen, ergänzende Präsentationen und die wichtigsten Informationen zum Unternehmen sollten Sie griffbereit haben und während des Gespräches nutzen.

Videointerview

Zwei Varianten der Befragung via Webkamera sind heute möglich und bieten Unternehmen insbesondere Kostenvorteile bei großen Bewerberzahlen. Für Sie als Bewerber/-in liegt der Kernvorteil darin, dass Sie – ähnlich wie beim Telefoninterview – in vertrauter Umgebung agieren.

In einer Videokonferenz führen Bewerber/-in und Personalverantwortliche ein fast normales Vorstellungsgespräch. Sie erhalten einen festen Gesprächstermin, den Sie bestätigen und dann sorgfältig vorbereiten können.

Für eine zweite Variante werden standardisierte Fragebögen genutzt, die via Webcam Ihre Antworten aufzeichnen. Diese Form der Vorstellung ist für beide Seiten zeitunabhängig und Personalverantwortliche gewinnen einen ersten Eindruck von Ihrer Außenwirkung.

Für alle Videointerviews gilt dasselbe wie für jedes andere Vorstellungsgespräch:

  • gute Vorbereitung,
  • kontrollierte Antworten und
  • kompetentes Auftreten
führen zu den besten Ergebnissen. Wichtig ist darüber hinaus die Gestaltung der Umgebung im Bildhintergrund, die zwar persönlich, aber dennoch nicht zu privat (zum Beispiel das häusliche Arbeitszimmer) sein sollte.

Bewerbercasting

Nicht immer haben Sie es mit einem Vertreter Ihres (hoffentlich) künftigen Arbeitgebers zu tun. Personalberatungen übernehmen vor allem im Bereich gefragter Fachkräfte mit speziellen Qualifikationen oft die erste Kontaktaufnahme. Das Vorstellungsgespräch beim sogenannten Headhunter findet entsprechend unter veränderten Vorzeichen statt.

Ihr Gesprächspartner kennt oft Ihr Qualifikationsprofils, während Sie im Zweifelsfall erst nach einem zweiten Gespräch oder einem persönlichen Treffen herausfinden, um welche konkrete Position es geht. Insgesamt ist bei dieser Form der Kontaktaufnahme viel Fingerspitzengefühl notwendig, um sich nicht womöglich bei mehreren Arbeitgebern (inklusive des eigenen Unternehmens) zu diskreditieren.

Messeinterviews

Für das Vorstellungsgespräch im Rahmen einer Jobmesse gelten grundsätzlich ähnliche Regeln wie für das im Unternehmen terminierte Gespräch. Die größte Abweichung stellt die Zusammenstellung der Unterlagen, die Sie Ihrem Gesprächspartner zur Verfügung stellen, dar:

  • Zeugnisse,
  • Foto und
  • Kurzanschreiben
können Sie nach einem guten ersten Eindruck überreichen, um die zur Messeanmeldung eingereichte Kurzbewerbung zu ergänzen.

Und dann...? Nach dem Vorstellungsgespräch

"Höflichkeit ist Klugheit." (Arthur Schopenhauer)

Laut verschiedenen Umfragen ist es für manche Personalabteilungen relevant, welches Interesse Bewerber/-innen über den Vorstellungstermin hinaus an der ausgeschriebenen Position an den Tag legen. Mit einem Dankschreiben oder einer telefonischen Kontaktaufnahme etwa eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch signalisieren Sie einerseits Interesse und haben andererseits die Möglichkeit, offene Fragen zu klären oder ergänzende Informationen zu übermitteln.

Eine potentielle Gefahr des Nachfassens liegt darin, dass Bewerber/-innen einen wenig souveränen oder sogar penetranten Eindruck hinterlassen. Besonders, wenn der nächste Kontakt (per E-Mail oder Telefon) innerhalb weniger Tage nach dem Vorstellungsgespräch erfolgt, kann ein ursprünglich positiver Eindruck sich ins Gegenteil kehren.

Befragen Sie im Zweifel Ihre Intuition und lassen Sie die subjektiv empfundene Sympathie zwischen Ihnen und Ihren Gesprächspartnern im Vorstellungsgespräch entscheiden, ob Sie das Unternehmen während des laufenden Rekrutierungsprozesses erneut kontaktieren.

Fazit

  • Zu einer guten Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch gehören ein umsichtiger Gebrauch von Ratgebern, eine umfangreiche Informationssammlung über das Unternehmen sowie eine Reflexion Ihrer individuellen Voraussetzungen.
  • Passen Sie sich für das Vorstellungsgespräch der Unternehmenskultur äußerlich an; Details erfahren Sie unter anderem über die Webseiten des Unternehmens oder bei Ihrer telefonischen Terminbestätigung.
  • Mit einer guten Vorbereitung lassen sich die Klippen und Fallen im Vorstellungsgespräch meistern und zum eigenen Vorteil nutzen, indem Sie Schlagfertigkeit und Impulskontrolle beweisen.
  • Die Fragen im Vorstellungsgespräch bieten Ihnen vielfältige Möglichkeiten, sich verbal und non-verbal dem Unternehmen zu empfehlen; fachliche und persönliche Komponenten Ihrer Antworten sollten konsistent sein und zum Unternehmen passen.
  • Ein wachsendes Spektrum alternativer Bewerbungsverfahren wird durch flexible Vorstellungsgespräche ergänzt und eröffnet Ihnen weitere Chancen, Ihre Kompetenzen bei Unternehmen darzustellen.
  • Für die Nachbereitung eines Vorstellungsgespräches ist ausschlaggebend, welche Informationsbedürfnisse unbefriedigt geblieben sind und wie Sie den Erfolg einschätzen.
  • Den negativen Verlauf oder Ausgang eines Vorstellungsgespräches können Sie als Lerneffekt interpretieren, denn dass Sie möglicherweise nicht zum Unternehmen passen, stellt keine Abwertung Ihrer Person oder Ihres Kompetenzprofils dar.
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